Causticum
28/29.9.02 in Berlin

Der heilige Christophorus




Causticum

Substanz: Gebrannter Kalk und Kaliumhydrogensulfat
Begegnungs-Datum: 18/19.5.02 (Pfingsten)
Begegnungs-Ort: Berlin
Begegnungs-Status: Unblind
Beteiligte: 5 VerreiberInnen = 3 Frauen (V2, V3, V4) + 2 Männer ( V1, V5)
Autor: Sven Sauter
Textstatus: Tonband-Protokoll


Einleitung zu Causticum

"Wer verkörpert Causticum?", fragte man sich damals in Bad Boll.

Die Antwort lautete:
"Der heilige Christophorus."

Der heilige Christophorus ist einer der 14 Nothelfer der katholischen Kirche.
Er hilft bei Hagelschlag und den Folgen von plötzlichem Tod.
Er gilt als Schutzpatron der Fahrenden und Reisenden.
Den Legenden der orthodoxen Kirche zufolge, stammte Christophorus aus dem Land der Kynokephalen (der "Hundsköpfigen").
Er wird auf den byzanthinischen Ikonen als Schweine- oder Hundeköpfiger Riese dargestellt.
Der ihm geweihte Tag in Deutschland ist der 24. Juli, im Orient der 9. Mai.
Auch im ganzen heidnischen Vorderorient wurde er als Heiliger oder als Gottheit verehrt.
Die Ägypter brachten ihn mit dem hundsköpfigen Totengott Anubis in Zusammenhang. Eine Sage berichtet davon, wie er den jungen Sonnengott und Isis-Sohn Horus sicher über den Nil trug.
 

C 1

V 1
Grosse Freude über die Zeichnung von der schamanischen Reise, die eine Teilnehmerin für mich gemacht hat.
Beginne mich kalt zu fühlen. Ausgebrannt?
Wie ein Knochengerippe. Fröhliches Gerippe, fröhlicher Kadaver.
Kopfschmerz in den Schläfen.
Übelkeit, durch alte Geschichten, die mir in den Sinn kommen.
Causticum, eine Geschichte der Wenigen?
Ein Fluss aus Tränen, dessen Grund aus zerbrochenem Glas besteht.
Ein Fluss aus Blut. Wieso hast du mich verlassen?
An diesem moosigen Ort , wo der rote Fluss hindurchfliesst, wird für eine lange Zeit kein Karneval mehr sein.
Heuschnupfen. Das Gefühl wir halten die Pollen nicht aus.
Gesichtshälfte, linke, wie taub.
Zahnschmerz,  Herzschmerz.
Mir ist übel. Möchte mich gerne über einen Stuhl beugen, das würde glaube ich helfen.
Beziehungslosigkeit zu den anderen Teilnehmern, aber sofort starke Anteilnahme, wenn jemand etwas sagt.
Harte, ausgetrocknete Schalen in der Sonne.
"Lasst euch nicht kreuzigen!" Wir müssen nochmals über das Mysterium der Kreuzigung sprechen.
G.v. Schwere
Eigentlich interressiert mich nichts im Aussen. Nur meine innere Schwere.
Causticum, eine Form von Selbstmitleid?
Mein Gesicht ist voller Staub. Ich wünschte es würde regnen.
Nur das Zwitschern der Vögel draussen in der Welt, vor dem Fenster,  ist noch schön.

V 2
Die richtige Haltung finden. Schwere. Wie kann ich alles leichter machen. Ich spüre meine Füsse auf der Erde. Mir ist klar dass ich einen guten Kontakt zur Erde halten muss, um Leichtigkeit zu finden. Ich muss den Pistill gut in der Hand halten. Ich muss das Ruder fest in der Hand halten.
Nimm mich in deinen Schoss. Ich muss das Causticum ganz zu mir nehmen.
Hals, ätzendes, trockenes, staubiges Gefühl im Hals. V.n. trinken.
Alles ist wie eine dicke Knetmasse, wie dicker Reisbrei.
Warum sitze ich hier eigentlich?
"Weil ich mich auf en Weg gemacht habe!"
"Es ist doch sowieso alles Quatsch!"
Ich muss immer wieder die richtige Haltung finden.
Lethargie, dumpfes Gefühl im Kopf.
Schläfrigkeit. Schwere.
Trockener Hustennreiz.
Trockene Augen.
Als ihr auffällt, dass sie vergessen hat die Fragen zu stellen, wird alles leichter.
Dumpfes Gefühl im Hinterkopf.
Antriebslosigkeit. Schläfrigkeit.
Sehe ein ockerfarbenes Spinnennetz.
Fühle mich wie ein "Müder Krieger". Causticum ist für die Lichtträger in dieser Welt als Stärkungsmittel. Um Mut zu machen.
Es geht um das Zusammenhalten.
Film, "Theo gegen den Rest der Welt"

V 3
Ich muss mich gut erden.
Ich habe die ganze Zeit eine Teiluung gehabt zwischen rechts und links. Rechts war alles schwer und dumpf. Links war kalt und hell.
Eine Frau in grau erscheint mir: Armenviertel, Zillemilieu. Dann kamen mir diese Kinder aus den Dienstherren-Zimmermädchen- Verhältnissen in den Sinn, Die dast ragen müssen, dass sie nich angenomen sind von den Vätern. Verrotzte Kinder die in Kellern wohnen.
Rechts bohren sich die Kristalle ins Dunkel, links ins Licht.
Links ist die Vaterseite, die nicht wahrgenommen wird. Rechts ist die Mutterseite. Ich bin ein Kind aus dem Hellen und dem Dunklen. Ich habe die Energie des Hellen gar nie wahrgenommen. Mir ist ganz schlecht und übel, zum kotzen. Aus dem Bereich des Hellen begegnen mir Münder und Nasen, die sich abwehrend, abschätzig äussern. Der Ausdruck dieser Vätergesichter ist spöttisch, Nase rümpfend. Es sind runde Gesichter.Gar kein Willkommen in ihren Gesichtern.
Dann taucht von oben ein Wasserfall auf und Lava von unten und die begegnen sich in der Mitte, die bleiben aber getrennt durch eine dunkle Linie.
Ich bin sowas von müde bin diese Frau mit den heruntergerollten Strümpfen. Alles ist mühsam. Spüre meine Hände die schmerzen. Ich will nicht mehr durchhalten. Ich will nichts mehr spüren. Ich will einfach nur noch tot sein. Wenn ich tot bin bin ich in Frieden.
2 Formen von Beerdigung:
Links, diese Eichen-Allee mit den Zylinderherren, den Reichen, den Schwarzen Pfeden, dem 8-spännigen Leichenwagen.
Rechts, Katakomben aus Sandstein wo man ganz tief gucken kann mit unendlichen Reihen von Gräbern. Gleichzeitig ist es aber heller.

V 4
Mitgefühl.
Ich musste viel Gahnen, tief durchatmen.
Herz, drückender Schmerzen im Sternum. (auch V1, V2)
das ewig Gleiche. Man akzeptiert den trott, man findet sich ab mit seinem Los.
Es ist anstrengend, aber es muss so sein.
Augen, feucht.
Traurigkeit.
Ich ergebe mich in mein Schicksal.
Brust, Husten.
Dann plötzlich kommt Freude auf an dem was ich tue. Fühle mich überhaupt nicht mehr schwach und müde. G. v. Ich stehe im Dienst von etwas Höherem.
Ahnung von einer noch tieferen Grösse.
G. v. es trägt, stützt mich.
"Hingabe!"
Die Berufung. Da kommt mir ein Buch in den Sinn, welches ich letzte Woche gelesen habe: "Der Schamane", wo ein Arzt ohne Rücksicht auf sich selbst ducharbeitet.
Dann kriege ich Schmerzen in Nebenhöhlenbereich.
Hals, Halsschmezen, die sich wie Mandelentzündung anfühlen. Schleimiges Gefühl im Hals. Räuspern >.
Druck in Medula oblongata. Später in der Halswirbelsäule ein Schmerz. Bewegung >.
Schläfenkopfschmerz.
Extemitäten,Wundes Gefühl an den Knochen.
Dann Befriedigung in dieser Arbeit.Auch Befriedigung in der Anstrengung.
Körper ist sehr bewusst, ganz unsentimentales Gefühl zum Körper.
Habe immer noch Halsschmerzen.
Es gibt kein Nachdenken: Man tut es einfach.
Causticum ist kein Mittel das in den Zeitgeist passt, eher etwas antiquiertes.
Grosser Durst.

V 5
Ich empfinde mich ständig unterbrochen, durch das ich nicht ständig verreiben kann (verreibt mit V1 im selben Mörser).
Vermeide das Rechtsherumverreiben.
Ewigkeit, Unabänderlichkeit.
Es ist nicht aufzuhalten. Es geht immer weiter.
Dann kommt ein Nebel auf.
Ich fühle mich sehr stark im Kopf.
G. v. ich sitze in einer Kugel.
G. v. der Mörser ist ein lebendiges Wesen, wie ein kleines Tier.
Gute Gefühl zur Gruppe.
Treue, Achtsamkeit, Aufrichtigkeit.
Dann als ich den Mörser übernehme, ganz andere Situation, beginne ganz schnell zu verreiben. Viel  Lebensfreude.
Nase. Jucken in der Nase
Dann als ich den Mörser abgebe, wechselt die Stimmung völlig. Sehe einen Tross von ganz kaputten Typen, der sich durch die Wüste schleppt. Es ist alles nur noch schwer. Es quält sich dahin. Ich selber bin Hundemüde, mir ist auch ein wenig schlecht. Ich bin völlig zu, kein bisschen offen. Das ärgert mich, denn ich habe an mich die Erwartung offen zu sein.
 

C 2

V 1
Halsmandel, rechts, entzündet, brennender Schmerz.
Linksherum gehts zum Tod, rechtsherum gehts zum Leben.
Dann Lustigkeit.
Was soll ich eigentlich in diesem Leben anderes als mit Nixen ud Delphinen schwimmen?
Lunge, rechts, oben, schmerzend.
Bergwerks-, Fliessbandarbeiter.
Das Reiben klingt wie das Schaben von Treibriemen an den Maschinen. Beginn der Industriealisierung.
Das Einzige was Abwechslung bringt sind Drogen und Raserei. Lähmung,
Taubheit gegenüber allem was lebendig ist.(DD. Opium?)
Ihr Elend berührt mich. Sie sehen todmüde aus.
Habe ich etwas an Ihnen nicht gesehen? "Ja, ihre Zufriedenheit."
Vielleicht projeziere ich meine Unzufriedenheit in das Leben dieser Menschen.
Ich habe ein grosses Verlangen danach einfach in der Sonne zu liegen.
V. n. ein Kindchen, oder ein Lämmchen zu wiegen.
Als Christophorus würde ich das Kindchen in einen Korb legen und über den Fluss schwimmen lassen in meiner Begleitung.
"Es gilt die Kinder zu schützen."
Welche?
"Diejenigen, denen niemand gezeigt hat wie man den Schutzengel ruft."
Causticum schützt das Kind in uns, seine Gutherzigkeit, seine Hingabe, sein Vertrauen. Es hilft, wenn diese verletzt oder überfordert wurden.
Es ist kein Mittel für Greise. Christophorus kann den Greisen nicht helfen.
Die Menschen denen er über den Fluss hilft, müssen sich selbst neu erfinden können.
Die Greise, welche das nicht schaffen,  müssen selbst hinüber. Wir schaffen es nicht den neuen Menschen alleine zu schaffen.
Wir selbst vertrocknen auch ganz langsam, unmerklich.
Ich fühle mich sehr empfänglich, für das kleinste Gefühl, das mir Menschen geben, ein Lächeln, ein Zögern.
Habe auch ein bisschen das Gefühl wie ein Hund zu sein. Alles richtig machen zu wollen. (DD. Lac.-c.)
 
 

V 3
Beginne die Verreibung mit einem Affentempo. Leicht, vergnügt
Schulter, Schmerz, rechts.
Kopf, Schläfe, Schmerz.
Sehe eine Schwalbe mit gespaltenem Schwanzende. Denke eine Schwalbe macht noch keinen Sommer.
Ich bin das Aufblitzen eines Kristalls.
Leere, Nichts.
Ich setze mich auseinander mit Wasser und Feuer. Links=Wasser. Rechts=Feuer.
Links leiden, rechts schafft. Leidenschaft.
Ich schaff das schon.
Sich zu schaffen machen.
Die Verbindung ist Lust.
Natrium links, Kalium rechts.
Leben lassen.
Gebrannter Marmor=Phönix aus der Asche. Lungenkreislauf (kleiner Kreislauf).
Kalium. Herzkreislauf (grosser Kreislauf).
Ich übernehme die Herrschaft meiner Leidenschaft. Lebe die Lust. Diesen Gedanken fand ich sehr vergnüglich, ich dache: Stimmt, so kann man es ja auch machen.
Was kommt das kommt. Was ist das ist.
Sehe mich als drehenden Sufi der sich dreht unter einer Kuppel.
Rechtsrum=tanzender Derwisch. Linksrum=schwere, kristalline Form.
Sehe eine Fliege die durch den Raum fliegt und denke: Ach das ist unser aller Seele, ist das schön.

V 4
Gefüllos, abgestumpft, pragmatisch, ohne Emotionen.
Routine.
Fühle mich wie eine menschliche Maschine.
Das Leiden Christi kommt mir in den Sinn.
Kopf, Kopfschmerzen, Stirne
Augen, drückender Augenschmerz.
Nackenschmerz. Bewegung >.
Denke an meine Eltern. Dann kommt gleich meine  Oma, die immer ganz viel gearbeitet hat, sich aufgeopfert hat für andere.
Dachte ich kann noch, bin aber gleichzeitig am Ende meiner Kräfte.
Habe keine Freude. Das Leben ist eine Last.
Hals, Halsschmerzen an den Mandeln.
Ich erlaube mir die Wut darüber, dass mir heute morgen jemand mein Fahrrad geklaut hat. Da komme ich in eine riesige Kraft.
Endlich ist Leben da, zwar nicht sehr erfreulich , aber immer noch besser als dieser Zustand vorher. Dieses Leblose, Maschinenhafte.
Die Kraft der Verzweiflung. Die schlechten Menschen. Da ist aber auch Spass dabei, in dem Sinne: Ich werde es euch zeigen. Etwas erwacht in mir. Die hat wohl meine Oma nie gemacht: Ihre Wut über die Ungerechtigkeit ausgedrückt.
Fühle eine grosse Sehnsucht nach dem neuen Menschen.
Beginne z ubeten und zu flehen, da ich spüre ich kann das nichtmachen, sonder das istder Herr, derdas machen muss. Für mich ist das zu gross.
Der neue Mensch entsteht nicht durch mich. ( V 4 beginnt zu weinen, grosse Ergriffenheit)
Bin aber auch froh diese Bürde abzugeben, weil ich spüre, dass ich das einfach nicht machen kann. Es ist zu gross für mich.
Es fühlt sich an wie das Durchbechen eines Musters.

V 5
Beginne sehr schnell zu verreiben, nach rechts. grosse Freude.
Fragte Causticum: Was bist du ? Aber sehr verkrampft,deshalb wohl auch keine Antwort.
Sehe eine treue, geduldige Mutter, die mit einer unlaublichen Geduld und Hingabe Teig rührt. Schöne Stimmung. Meine Mutter kommt mir in den Sinn.
"Causticum verstärkt die Kräfte der Spirale." Keine Ahnung was das bedeutet.
Habe das Gefühl, nicht einen Mörser, sondern eine goldene Kugel im Schoss zu haben. (Alle Teilnehmer/innen haben einen Bezug zu Gold in diesem Wochenende.)
Es verreibt, nicht ich verreibe.
Gefühl von etwas Lebendigem im Schoss.
Dann trette ich durch einen Spitzbogen in einen Kreuzgang. Ich kenne diesen Kreuzgang, der ist nähmlich im Kloster Neubronn. Im Innenhof gibt es einen Brunnen.
Dann taucht ein Mensch mit einem violleten Gewand auf und einer Bischofsmütze. Ich konnte aber nicht mit ihm sprechen.
Gelassenheit. Ich handle aus Stärke. Aber parallel eine Stimme die mir ständig sagt: "Du kriegst zu wenig mit. Du bist nicht offen genug." Das ärgert mich.

V 2
Habe einen totalen Brummschädel. Am liebsten wäre ich rausgegangen.
Grosse Ungeduld.
Ich fühle überhaupt nichts. Habe aber auch keine Lust irgedwas zu fühlen.
Ganz Stark die Farbe: Gelb. Helles Gold. Maisgelb.
Weisslich -bläuliches Licht.
Sehe ein Kreuz was bei genauerem Hinsehen zu einer Swastika wird, so spiralig. Die Swastika dreht sich rechtsrum. Das gab mir Hoffnung.
Dann sah ich die Erde von oben. Da war ein riesiges Tagebau-Gebiet mit Förderbändern. Die Erde wird da ausgeraubt, dachte ich. Kies. Erz.
Aus den Kies wurde gelber Blütenstaub. Bienen.
Dann wurde der Boden neu verteilt und es gab eine ganz lange Warteschlange von Menschen, die darauf warteten ein Stück Land zu kriegen.
Sehe bläulich-viollete Lichtschwaden. Frohe Dynamik.
Mir fällt auf mit was für einer  Hingabe wir hier verreiben. Sehr beeindruckend.
Sitze auf einmal in einem Cockpit und fliege durch einen Tunnel hindurch ins All. Fliege in einen Planeten hinein, der ist gelb mit einer roten Durchäderung. Sehr organisch. Von diesem Planetengebilde schaue ich auf die Erde. Die Erde stöhnt in einem Eisengitter-Korsett, das sie umgibt. Das Korsett ist schon ein wenig aufgerissen, aber nicht weil jemand sich daran zu schaffen gemacht hat, sondern durch Verschleiss, Überanstrengung. Sie will raus.
Eine unglaubliche Müdigkeit überkommt mich. Ich vergesse alles.
Wurde sauwütend. Mein Kopf fühlt sich abgetrennt vom Körper an. Brummschädel. Jetzt wo wir darüber sprechen geht es mir besser.



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