Kreuzspinne
30/31. August 2003 in Berlin

Kreuzspinne

C3

Fortsetzung

V1
Ich war sehr zufrieden hier, konnte mich langsam damit abfinden, zur Welt gekommen zu sein, was ich bei der C1 und C2 nicht hatte. Dann kam mir in den Sinn das Spinnen unendlich lange in ihrem Netz verharren, ich kann unendlich lange mit ganz wenig leben, Spinnen können lange warten. Irgendwann kommt dann die Zeit, dann kommt die fette Beute.
Wenn sie dann endlich kommt scheut sich die Spinne auch nicht zu bunkern, zu mumifizieren. Auf dem zum Seminar heute Morgen habe wir über Tote und Mumifizierung gesprochen. Bei den Indigenen gibt es ja genaue Vorstellungen wo die verschiedenen Seelen sich im Körper befinden. Dr. Rudolf Steiner hat auch die Tragödie der ägyptischen Pharaonen beschrieben, die durch die Mumifizierung nicht inkarnieren können, weil ein Teil ihrer Seele immer noch gebunden ist im Körper, im Materiellen.
Dann wurde mir wieder klar, wie z.b. der Hirsch, der die Haut für die Trommel gibt eigentlich immer noch hier ist, in der Haut und nicht re-inkarnieren kann und was das für ein Geschenk des Hirschen an uns Menschen ist.
Als ich jünger war habe ich mich immer als einen Ausserirdischen gesehen, ich habe mit Freunden immer darüber gescherzt, daß wir eigentlich von einem anderen Stern kommen, so wie mit dem Ufo gelandet hier und wir wissen nicht, wo das Ersatzteil für´s Ufo ist und laufen da zwischen den Menschen herum, aber unsere Heimat ist das Universum. Jetzt merke ich, eigentlich habe ich scheiß Angst vor diesem Universum, vor allem vor diesen Planeten und da mal wieder hinzumüssen, das mir das garnicht mehr so gefällt, das sich meine Sicht auch sehr geändert hat. Und das die Spinne möglicherweise eine Schwierige ist, um mit ihr hier zu leben, um mit ihr klar zu kommen.
Was ist denn der Nutzen, was ist das Schöne daran, nochmal zurückzukommen ? Da hat die Spinne dann gesagt: "Ich beschütze dich, wenn du weggehst. Erstmal um hier zu sein ist es ja schon nicht einfach, das verstehe ich, aber wenn du es mal aus der anderen Sicht anguckst, daß du irgendwann mal wieder wegmußt, dann wirst du vielleicht nochmal an mich denken." Das fand ich dann toll, daß es hier jemanden gibt, der für mich guckt, wenn ich sterben muß. So wie das im Moment aussieht, werde ich, wenn ich tot bin überhaupt nicht weggehen wollen, ich werde dann so ein unruhig umherirrender Geist, der sich in Arzneimittelbegegnungen einschleicht...  Dann habe ich mir gedacht, ich muß unbedingt gucken, daß jemand von euch mich dann an einen guten Ort bannt, in einen Stock rein, das ich ein gutes Zuhause habe, noch ein paar tausend Jahre irgendwie rumgeistern kann.
Das war so meine Empfindung für die Spinnen, daß die Spinnen mir helfen werden, wenn´s um´s Sterben geht, um nicht on der Unruhe, der Angst zu versinken .

V4
Das Geräusch der Schuhe im frischen Schnee, wie sie V2 auch hatte, habe ich durch alle drei Verreibungen auch gehört.
Dieses Mal habe ich mich nicht verrückt machen lassen vom Warten, normalerweise werde ich sofort unruhig und ich hasse es, wenn ich irgendwo warten muß, vor allem weil ich nicht weiß, warum ich irgendwo warten muß.
Dann hatte ich das Gefühl, heute sperrt sich wohl alles ein bisschen, so richtig rein komme ich nicht (in Bilder) und es kam das Bild einer Spinne, die den ganzen Tag in ihrem  Netz sitzt und nichts anderes tut, als zu warten. Sie muß eine große Ausdauer besitzen, wenn sie so den ganzen Tag warten kann, ohne sich verrückt zu machen. Das war für mich etwas Neues und müde wurde ich dann dabei.

V7
Zuerst hatte ich Bilder von Weiten, Telegrafenmasten kamen dazu. Dann das Bild eines Stromkraftwerks, von dem diese Drähte auch abgehen. Die Spinne ist auch ein Energielieferant. Es kam ein Satz wie “ Auf die Drähte aufpassen und sie lieben und pflegen³.
Das habe ich erst nicht richtig verstanden. Dann tauchte das Bild aus dem Film: "Leon, der Profi" auf, welcher ja nie schläft und für diese Kleine ist er der Energielieferant und er ist auch ein Guter.
Dann bin ich nochmal an den Punkt von gestern gegangen mit dem Schmerz und habe die Spinnen gefragt, ob sie mir da helfen können und sie haben dann gesagt: "Den Faden entrollen lassen."
Ein Glaubenssatz den ich habe ist, daß man sich eigentlich an niemanden binden mag, man soll ja sowieso nicht anhaften und von den Spinnen kam dann, daß man sich schon binden können muß.
Es tauchten dann Bilder von Australien auf, dieses Netz von Songlines, das über das ganze Land gezogen ist, da tauchte dann der Ayers Rock auf und es war so, als wäre das der Hinterleib von einer riesigen Spinne, die da sitzt. Ich hatte dann das Gefühl, das ist der Sitz von der großen Mutter Spinne. Hatte das Gefühl, jetzt kann ich endlich dieser großen Spinne begegnen, aber irgendwie passierte nichts und dann kam dieses Warten und ich dachte, du mußt erstmal den Fokus davon wieder wegnehmen. Jedesmal, wenn ich ihn aber weggenommen habe, habe ich rechtsseitge Kopfschmerzen bekommen.
Dann kam etwas, was schon jemand anderes gesagt hatte, nämlich spontan seinen eigenen inneren Impulsen folgen, einfach leben, was gerade in dem Moment kommt. Mir kam das Bild der Aboriginis, die mitten in der Wüste einfach aus dem Bus aussteigen, aber dabei nicht auf der Flucht sein (wie es z.b. Tuberkulinum ist), es hat eine ganz andere Qualität. Bei der Spinne gibt es auch diese plötzliche Unruhe, aber sie ist zuhause währenddessen, oder auf dem Weg nach Hause. Die Aboriginis pflegen ihr Land, ihr Sein, indem sie diese Lines ablaufen, jetzt wurde mir klar, was es bedeutet hatte: Die Drähte lieben und pflegen.
 
V5
Für mich war die Frage, was mach ich mit dem, wo ich gestern gestanden bin, also im hier und jetzt wie geht´s da weiter heraus.
Es war so, daß ich während dem Verreiben die Richtung gewechselt habe: Zweimal links herum, zweimal rechts herum, was für mich bedeutete, es soll nicht in eine Richtung gehen, nicht in die eine, nicht in die andere, sondern alles zuzulassen.
Dann kam ein Kloß im Hals hoch, eine Traurigkeit wegen der Geschichte, die ich aufgelöst hatte. Die Frage kam, wie geht es jetzt eigentlich weiter und für mich wurde klar, daß ich im Augenblick meine Lebensgeschwindigkeit reduzieren muß, ich muß die Geschwindigkeit zurücknehmen, die ich habe. Die richtige Geschwindigkeit zu finden, egal in welche Richtung, die für mich passend ist.

V6
Es hat mir Spaß gemacht, ein angenehmes Gefühl dieses Mal. Meine Hände und Füße waren sehr kalt, aber innen drin war Wärme. Darauf schien es auch nicht anzukommen, ob mir jetzt ein Bein abfällt oder was auch immer passiert, egal, es ist nicht so wild. Die Wärme ist bis zum Schluß geblieben.

V2
Im rechten Oberarm bekam ich ein pulsierendes  Pochen, da dachte ich, daß ist jetzt die Spinne, die bei mir ankommt.
Sobald ich die Augen schloß, wurde es  mir übel und schwindelig, es hat sich alles ein bischen gedreht. Die ganze Zeit empfand ich den Milchzuckerstaub beim Verreiben wie einen Nebel  im ganzen Raum.
Die Geschwindigkeit war auch ein Thema bei mir, es war immer etwas da, was mich weitertrieb, ich dachte, daß ich immer noch schneller und schneller reiben muß. Die Spinne sagte mir: "Nicht stehenbleiben, weiter gehen!" und ich habe es als einen Auftrag für mein Leben verstanden.
Ich empfand auch eine tiefe Dankbarkeit gegenüber der Spinnen-Begegnung und hatte den Wunsch, ihr zu danken.
Die ganze Verreibung durch reagiere ich sehr stark auf Geräusche. Durch die Klänge der Pistille in den Mörsern beim Verreiben bin ich zu einem Bild gekommen: Der Pistill war ein Glockenschlägel, ich selber war Glockenschläger auf einem Kirchturm und habe zur Messe gerufen. Ich blickte dabei über das ganze Land, unter mir war ein mittelalterliches Dorf. Ich fragte mich, zu welcher Berufskaste ich hier wohl gehören möge und die Antwort war, daß ich zur Kaste der Geistlichen gehöre.
Es kam auch ein Gefühl von Eigenständigkeit in mir auf, ich dachte, egal ob meine Umgebung schreit, tobt, alles zusammenschlägt, sich von mir abwendet, ich werde daß tun, was meinem Wesen entspricht und was ich für richtig halte.

V3
Gestern hatte ich noch daran zu knabbern, daß sich bei mir nicht wirklich etwas bewegt hat, daß mir irgendeine Art von Erkenntnis kam und über nacht ist dann die ganze Schleimhaut der Nase auf der rechten Seite zugeschwollen, meine Augen war dick als ich heute aufwachte, geträumt habe ich nicht wirklich etwas.
Als erstes heute stieg bei mir ganz viel Trauer auf, Trauer über Mißbrauch. Dann dachte ich: Inwiefern ? und habe die Spinne als großen Kolbenmotor gesehen, wo die Beine dann immer in die Kolben reingehen und was wird in dieser Fabrik produziert: Seife aus Menschenknochen. Dann wurde mir aus der Tiefe des Magens richtig übel, ich konnte es nicht ertragen und dachte, daß ich mich gleich übergeben werde.
Die Spinne hat dann Bilder bewegt: Ich ging weg von dieser Seife aus Knochenmenschen und sah auf einmal eine Wolfsmutter, Hundemutter, die ihre Jungen wegbeißt, eine Spinne die ihren fast reifen Eier verläßt.
Je mehr ich rieb, um so mehr hatte ich das Gefühl, drückt sich eine Spirale in meinen Magen und umso mehr wird mir in der Taille die Luft abgeschnürt. Zwischenzeitlich hatte ich auch Atemprobleme und diese große Trauer, die ich auch von anderen Situationen schon kenne.
Dann habe ich gefragt: "Was soll ich tun, wenn dieses Gefühl aufkommt?" und die Spinne hat gesagt: "Die Spirale muß erst alles aufgewühlt und geleert haben, um es dann neu aufzufüllen." Bevor ich das nicht für mich verarbeitet habe auch nichts Neues hineingehen kann. Dann hatte ich das Gefühl, als ob ich zerquetscht und zertreten werde und man mir gleichzeitig die Taille zuschnürt.
Die Spirale bohrte dich dann bis zur Gebärmutter. Ich habe dann gesagt: jetzt reicht´s , was soll ich jetzt erfahren ? Dann hat man mir klargemacht, daß ich die Beziehung zwischen mir und meiner Mutter, so wie sie ist, nicht akzeptieren kann, sie aber akzeptieren muß, um etwas daran ändern zu können. Dann ist mir aufgefallen, daß meine Mutter zu ihrer Mutter genau das gleiche Verhältnis hat, das sie die Distanz brauchen, um sich lieben zu können, weil es anders einen erdrückt, man zugeschnürt wird. Dann hatte ich das intensive Gefühl, ich will mich übergeben und habe schon gesehen, wie aus meinem Rachen eine dicke Plazenta mit irgendeinem Säugetier herauskommt und das ging dann in einen Milchgeruch über.
Dann bin ich wieder in die Verreibung hineingegangen und habe gemerkt, wie sich meine Füße auflösen, wie aus dieser Spirale, die Füße lösen sich auf, der Körper löst sich auf. Mir ist mein Krafttier erschienen und sagte, ich müsse loslassen. Dann habe ich gesehen, wie die Spinne mich spiralförmig auflöst, es war auch nicht schlimm, ich habe mich frei gefühlt in diesem Moment. Die Spinne hat mir dann von hinten mit ihren zwei Fangzähnen den Kopf abgebissen, der mich daran hindert, in meine Gefühle hineinzugehen und dann dachte ich: "Jetzt bin ich leer, jetzt bin ich tot, jetzt bin ich eigentlich erlöst" dabei hat sich dieser Strick um meinen Magen auch gelöst und dann kam nocheinmal, daß ich meine Mutter akzeptieren muß und eine gewisse Distanz waren muß, um mich ihr anzunähern. Das war dann für mich ein überwältigendes Gefühl, ich hatte mich bis vor kurzem noch so leer gefühlt, das fing nun an, sich zu füllen. Es war dann eine goldene Spinne, die auf mich zukam, also ich war tot, und sie kam, um mich zu holen. Es war sehr schönes Gefühl.
Dann dachte ich, ich bin ein Wolf und ich sitze auf einem Berg und jaule den Mond an und den Weltschmerz jaule ich raus und dann stellte fest, daß ist garnicht der Mond, das ist die Erde, die hängt an einem seidenen Faden, einem Faden der Spinne und dafür wollte ich ihr danken und haben einen Altar aus Kissen gemacht.
Es wurde weiß und es kam eine wohlige Wärme und sie hat mir das Sonnensystem in ihrem Spinnennetz gezeigt, sie hat mir gezeigt, daß das Spinnennetz das ganze Sonnensystem ist und das die Sterne jeweils immer Wassertropfen in diesem Netz sind und das sie das alles vereint. Zum Abschluß kam noch eine Comix-Sequenz: Ich sah die Spinne an einem Spinnrad und sie war dabei ganz eifrig ihren eigenen Kram zu spinnen. Das war das Befreiende, was dann in Wohlgefallen übergehen konnte, weil ich war ja innerlich wirklich ganz leer.
 
 



u Back    u Archiv-Index    u Home    u Next